Medizinrecht für Patienten

Liebe Patienten,

in Sachen Patientensicherheit und Risikomanagement hat sich in den letzten Jahren viel getan in Deutschland. Während ich (sogar) als Studentin in Nordirland in den 90er Jahren schon in „Fehlerbesprechungen“ mit sitzen durfte/sollte, in denen ältere, erfahrene Kollegen frei von Angst vor Kritik, Karrierenachteilen oder Hierarchiestrukturen über Komplikationen, Fehler und Beinahe-Schäden berichteten, die ihnen bei ihrer Tätigkeit unterlaufen sind, waren solche Dinge nach meiner Rückkehr nach Deutschland damals noch unüblich oder jedenfalls völlige Ausnahmen. Das ist heute ganz anders. Man denke nur an Dinge wie das Fehlerberichts- und Lernsystem Cirsmedikal, „Die jeder-Fehler-zählt-Plattform“ aber auch Dinge wie das Projekt „Schmerzfreies Krankenhaus“ oder die Initiative „Schmerzfreie Klinik“ durch den TÜV-Rheinland mit der 2006 begonnen wurde.

Das Bewusstsein, dass das Gesundheitswesen ein Hochrisikobrereich ist, in dem Fehler passieren, ist heute allgemein präsent. Dennoch verbleibt eine gewisse Eintrittswahrscheinlichkeit menschlicher Fehlhandlungen, die dann in Gesundheitsschäden münden – auch das ist allen Akteuren im Gesundheitsbereich, wie auch Juristen, klar. Deshalb verpflichten die Musterberufsordnungen der jeweiligen Bundesländer die Ärzte ausreichende Haftpflichtversicherungen vorzuhalten und der Gesetzgeber hat in einem umfangreichen Regelwerk bestimmt, wie auch andere patientennah Tätige haften.

Bei unerwünschten Behandlungsergebnissen oder Abläufen, die Grund zu Zweifeln an korrekten Behandlungen geben, kann aber aufgrund der Komplexität und der Vielzahl von Einflussfaktoren oftmals nicht ohne Weiteres und nicht ohne genaues Studium aller vollständiger (und nur dann !) Aktenbestandteile gesagt werden, ob ein Behandlungsfehler vorliegt und ob dieser kausal den vermuteten Schaden verursacht hat. Es gilt Schuldhaftes weitgehend zweifelsfrei von Schicksalshaftem zu trennen. Nur bei ersterem kommt eine Haftung in Frage. Hier greifen dann Medizin und Recht ineinander. Gerade das Gelingen oder Misslingen dieser Verzahnung beeinflusst entscheidend den Ausgang haftungsrechtlicher Auseinandersetzungen.

Medizinrechtliche Streitigkeiten zeichnen sich durch eine höchst eigene Verquickung seelischer mit wirtschaftlichen Konsequenzen aus. Oft werden langjährig bestehende Vertrauensverhältnisse berührt, Lebenszeit- und Energie verzehrt – jetzt mit einer gesundheitlichen Beeinträchtigung viel kostbarer als vorher gewichtet – sowie erhebliche wirtschaftliche Konsequenzen initiiert. Gerade deshalb ist eine fachlich sowohl medizinisch als auch rechtlich kompetente wie zügige Bearbeitung geboten. Wir glauben, dass unsere interdisziplinäre Zusammenarbeit  einen erheblichen Mehrwert bietet.

Liebe Patienten; noch ein Wort zum Schluß. Werden Sie stutzig, wenn Sie Dinge lesen wie: „Ärztepfusch, Medizinskandal, Patientenrechte hart durchsetzten, Versuchskaninchen, Entlarven, Vertuschen, Verharmlosung, Murks, hohe Erfolgsquote…“ Zwischen dem Bedienen von Emotionen und dem Bedienen berechtigter Ansprüche ist in der Realität ein himmelweiter Unterschied.

 

Dr. Ina Gillmeister, LL.M.

 
 
 

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